Geschichte

Chronik des Verbandes Oberrheinischer Narrenzünfte

Lange Zeit waren über die Gründung des Verbandes Oberrheinischer Narrenzünfte (V.O.N.) nur die Eckdaten bekannt. Akten und Gründungsurkunde sind nicht vorhanden; Jubiläen wurden zu Zeiten gefeiert, die nicht haltbar sind. Vielleicht wurden vor der offiziellen Gründung vorbereitende Gespräche geführt; dies konnte jedoch bei einer sachlichen Bearbeitung und Datierung nicht berücksichtigt werden. So gelang es nur, durch die erhalten gebliebenen Zunftchroniken von Freiburg, Kenzingen, Staufen und Zell im Wiesental die tatsächlichen Gegebenheiten nachzuvollziehen. Zeitungsausschnitte beweisen die Richtigkeit der Aufzeichnungen der Chronisten.

Die Zünfte Breisach (1934-1937), Freiburg (1936-1938) und Säckingen (seit 1924) waren∏ Mitglieder der Vereinigung schwäbisch-alemannischer Narrenzünfte. War es nun ausschließlich der Wunsch um mehr Kontakt im oberrheinischen Raum, der zur Gründung des Verbandes führte, oder spielten auch einer oder mehrere der nachstehenden Gründe mit?

a) Die Vereinigung verlangte den Nachweis der geschichtlichen Grundlagen. Breisach und Freiburg wurden wie z. B. die Narrenzünfte aus Gengenbach, Löffingen, Offenburg, Schwenningen, Singen am Hohentwiel, Waldkirch und Wolfach „nur“ in die Gruppe 2 (also weniger „historisch“ als die Zünfte der Gruppe 1) eingereiht. Säckingen wurde wegen fehlender Unterlagen noch zurückgestellt. Waren die Zünfte mit der Eingruppierung, die sicher sachlich angreifbar ist, unzufrieden?

b) Die Narrenzunft Breisach gab 1937 beim Münchner Karnevalskongress eine mehr akrobatische als närrische Vorstellung, die von den Zünften der Vereinigung scharf kritisiert wurde. Fühlte sich dadurch Zunftmeister Schäfer, der Theatermann, getroffen und zog Konsequenzen?

c) Die Reichsregierung forderte nachdrücklich die Gründung eines Bundes Deutscher Karneval (BDK). Reichsleiter Robert Ley sowie Reichsminister Dr. Joseph Goebbels engagierten sich hier nachdrücklich und bestimmten auch bei der Gründungsversammlung den Präsidenten, den Münchner Ratsherrn Max Reinhard. Die Vereinigung schwäbisch-alemannischer Narrenzünfte wehrte sich bestmöglich gegen die Zentralisierungsbestrebungen. Breisach sprach sich nachdrücklich für den BDK aus, hingegen Elzach, Villingen und andere sich heftig dagegen wehrten.

War Harry Schäfer durch die Gründung eines neuen Verbandes Wegbereiter der Gleichschaltung im Südwesten? Bereits bei der Verbandsgründung wurde ein Begrüßungstelegramm des BDK verlesen und festgestellt, dass alle Gründungszünfte sich dem BDK anschließen würden.

Ob dies Ursachen waren, die zur Gründung des Verbandes Oberrheinischer Narrenzünfte führten, ist heute nicht mehr nachzuvollziehen. Sicher ist auch, dass in den Jahren 1935 bis 1937 eine ganze Anzahl von Zünften in der Rheinebene gegründet wurde. Neugründungen erfolgten in Orten mit alter geschichtlicher Fasnachtstradition, die häufig über Jahrhunderte nach zu verfolgen war.

In der Rheinebene waren in den vergangenen Jahrhunderten viele kriegerische Auseinandersetzungen, die gewachsenes Brauchtum vernichteten, verboten oder auch durch fremde Einflüsse veränderten. So ist bis Basel der Einfluss des rheinischen Karnevals zu verfolgen. Im Schwarzwald und im schwäbischen Raum waren diese Einflüsse nicht so stark; das Brauchtum hat sich dort meist in, nach den Begriffen der Verfechter der alemannischen Larvenfasnacht, reinerer Form erhalten. Nicht zuletzt durch die nationale Regierung wurde bodenständiges Brauchtum gefördert; so besannen sich gerade im damals so genannten „Grenzland im Südwesten“ viele Gemeinden und Zünfte auf ihre alten überlieferten Traditionen. Verschüttetes wurde ans Licht geholt, alte Bräuche wiederbelebt, man wollte und förderte „zünftige“ Traditionen…

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